Frauen Union Acher-Renchtal informiert sich über die Gemeinschaftsschule

Im Rahmen einer Vorstandssitzung lud die Frauen Union Acher-Renchtal Katharina Huber, Lehrerin an der Gemeinschaftsschule Klettgau, zu einer Vorstandssitzung ein, um ihr Gelegenheit zu geben, über ihre Erfahrungen und Lehrtätigkeit an der Gemeinschaftsschule zu berichten. Frau Huber gab zunächst einen Überblick über die bereits eingerichteten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg. Mittlerweile gebe es 304 Schulen, für 2017/18 seien 5 Neuzulassungen geplant, darunter auch die Franz-Rapp-Werkrealschule in Oppenau, die ab dem kommenden Schuljahr als Gemeinschaftsschule geführt werde.

In der Gemeinschaftsschule würden unterschiedlich begabte Kinder unterrichtet werden, d.h. leistungsstärkere und leistungsschwächere Kinder seien gemeinsam in einer Klasse, erläuterte Katharina Huber. Dies bedeute auch, dass die Entscheidung über einen angestrebten Schulabschluss erst später gefällt werde, da die Kinder länger gemeinsam unterrichtet würden. Die Lernprogression basiere auf unterschiedlichen Niveaustufen. Dementsprechend würde das Lernmaterial ausgesucht werden. Dabei unterscheide man zwischen G-, M- und E-Niveaus, was dem grundlegenden, mittleren bzw. erweiterten Niveau entspräche.

In sogenannten Lernateliers übten die Schülerinnen und Schüler das selbstständige Lernen. Stärkere Schüler würden schwächeren Schülern in den jeweiligen Fächern helfen. Die Lehrkräfte schlüpften in die Rolle von Lernbegleitern, iniitiierten und organisierten die Lernprozesse. Zusätzliche Lehrerstunden, die für „Coaching“ zur Verfügung gestellt würden, ermögliche es den Pädagogen, individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und sie während des Lernprozesses zu begleiten, zu beraten und ihnen über ihren Lernstand Rückmeldung zu geben. Statt Klassenarbeiten würden „Gelingensnachweise“ geschrieben werden, die Leistungsmessung erfolge durch verbalisierte Beurteilungen, d. h. Lernentwicklungs- berichte. Der Klassenteiler liege bei 28 Schülern, also niedriger als an den Regelschulen. Die Prüfungen, die in der Gemeinschaftsschule abgelegt werden müssten, seien die gleichen wie in den anderen Schularten, so Katharina Huber.

Ein Wechsel in die gymnasiale Oberstufe sei deshalb - wie bisher - nach Klasse 8 bzw. 9 möglich. Die Gemeinschaftsschule als gebundene Ganztagesschule beinhalte den Unterricht an drei bis vier Nachmittagen. In der Gemeinschaftsschule sei es so, dass die Profilfächer ab Klasse 8 gewählt werden könnten, an der Klettgauer Schule seien dies zum Beispiel Fächer wie Musik, NWT, Sport oder die dritte Fremdsprache. Ergänzend würden den Schülern AGs wie Tanzen, Töpfern und Kochen angeboten werden. - Katharina Huber machte aber auch keinen Hehl daraus, dass aufgrund der unterschiedlichen Niveaustufen in den verschiedenen Unterrichtsfächern den Kindern eine sehr hohe Anzahl an Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt werden müsse. Doch man sei inzwischen dabei, diese zu archivieren, sodass in Zukunft schneller auf einen Fundus an Materialien vor Ort zurückgegriffen werden könne.

Am Ende ihres Vortrages zog Frau Huber das Fazit, dass die Gemeinschaftsschule, pädaogisch betrachtet, eine große Herausforderung sei, den Kindern aber auch vielseitige Chancen und Möglichkeiten für ihre individuelle Entwicklung biete.

Foto: Birgit Wild-Peter (Vorsitzende der FU Acher-Renchtal) bedankt sich bei Katharina Huber für ihren ausführlichen Vortrag

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